Kinder und Bike Training: Es geht doch!

Kinder und Bike Training: Es geht doch!

Biken mit Kinder geht. Aber mit vielen Abstrichen seitens des ambitioniert bikenden Vaters. Wenn möglich keine Aufstiege und erst recht keine Trail-Abfahrten. Bleibt also nur eine „um den See fahren“-Tour. Das hatte ich bisher  so geglaubt. Und fürs Training musste man sich erst recht „Solo-Zeit“ freischaufeln.

Dieses Jahr steht schon früh ein Mega-Marathon auf dem Programm: Der Hero Dolomiti mit 86km und 4800 Höhenmeter in engen Zeitlimits kein Zuckerschlecken. Da kann man nicht einfach hingehen und mal gucken, ob es klappt. Auch wenn man schon eine sehr gute Grundlage hat. Training ist angesagt und in erster Linie Höhenmeter sammeln. Aber wie, wenn man das Wochenende auch sein Vatersein ausleben möchte?

Über Ostern war ich mit dem Nordlicht in Finale Ligure am shredden. Als überzeugte Shuttle-Verweigerer sind wir alle Berge hochgekurbelt, bevor wir uns ins Trail-Vergnügen schmissen. Auf einem der Aufstiege fuhren wir auf ein Gespann auf, das mich zuerst völlig vom Sattel haute. Da fuhr doch tatsächlich ein ca. 10 jähriges Mädchen hinter ihrem Vater in ziemlich anständigem Tempo den Berg hoch. War da etwa die Junioren-Elite unterwegs? Als wir die zwei dann überholten, war alles klar. Papa hatte zwei Schläuche zusammen gebunden und die Tochter ins Schlepptau genommen. Er kurbelte – etwas am Limit – vorne weg aber auch Töchterchen musste in die Pedale treten.

Gesehen, gespeichert und als Task weiter verarbeitet! Am nächsten Wochenende – Nordlicht war geschäftlich in Donalds Reich – hatte ich mit der Olive ein Wochenende im Tessin gebucht. Camping und Wandern war angesagt. Programm Änderung: Camping und Biken! Der Schnee war bis auf 1500 M.ü.M zurückgewichen und das hiess, ich konnte mit der Olive biken und gleichzeitig Höhenmeter sammeln.

Auf dem Campingplatz wurden sofort zwei Schläuche zusammengebunden und eine Proberunde gedreht. Irgendwie nicht berauschend. Alles etwas zäh und irgendwie zu direkt. In dem Moment, in dem die Kleine nicht mehr tritt zieht’s Vattern vom Sattel. Da musste eine andere Lösung her. Schnell im Auto gewühlt und sieh da, im Notkoffer liegen zwei Expander-Seile rum. Also diese schnell zusammen geknotet und auf zur zweiten Testrunde. Genial! Olive jauchzt vor Freude, Papa strahlt. Durch die Elastizität der Expander-Seile sind die Übergänge zwischen „mehr treten“ oder“ weniger treten“ fliessender. So, als würde jemand auf der Rolle ganz langsam den Widerstand zudrehen. Der Seilzug bleibt immer gut gespannt, so dass sich nichts verheddern kann.

Am nächsten Morgen ist die Olive ganz aufgeregt. Die Corona dei Pinci wollen wir knacken. 1367 Höhenmeter am Stück, zum Teil steil und von Ascona aus für die Olive als unüberwindbar eingestuft. „Da hoch? Bis ganz oben?“ Ja! Probieren geht über studieren. Nach 500 Höhenemeter tritt die Olive ganz gemütlich in die Pedale, redet ununterbrochen und hat riesen Spass. Derweilen Papa vorne schweissgebadet Höhenmeter um Höhenmeter mit mächtigem Grinsen vernichtet. Es fühlt sich tatsächlich so an, als würde jemand am Spinningrad oder auf der Rolle den Widerstand zudrehen. Ganz grossen Spass hat dann die Olive als wir einige Biker sogar überholen 😉

Nach 2 Stunden und 30 Minuten stehen wir ganz oben auf der Corona dei Pinci. Die Olive ist relativ entspannt und mächtig stolz ihren ersten Berg gefahren zu sein. Es war nicht unanstregend für sie aber nie am Limit. Papa ist ebenfalls riesig stolz auf die Tochter und überglücklich ausgepumpt. Ab jetzt eröffnen sich uns – dank eines einfachen Expander-Seils – ganz neue gemeinsame Abenteur-Möglichkeiten. Rigi, Wildspitz, Vorab Gletscher: Alles ist nun gemeinsam fahrbar!

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